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P&R Container Insolvenz

 

Containerweise Verluste statt sicherer Rendite - P&R Container-Direktinvest: Fünf Firmen der P&R-Gruppe sind insolvent

Der deutsche Marktführer für Seefrachtcontainer-Direktinvestments, die Finanzfirma P&R aus Grünwald bei München, hatte die Auszahlungen an Anleger ausgesetzt und überraschend am 7. März 2018 den Vertrieb der aktuellen Angebote gestoppt. Nun wurden die Befürchtungen der Investoren bestätigt: Drei Firmen des Container-Anbieters P&R haben Insolvenz angemeldet. So haben am 15. März 2018 die P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH, die P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH sowie die P&R Container Leasing GmbH beim Amtsgericht München Insolvenzantrag gestellt. Am 26. April 2018 haben nun auch die zwei letzten deutschen Gesellschaften der P&R-Gruppe, die P&R Transport-Container GmbH und die P&R AG beim Amtsgericht München Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Über 50.000 Anleger haben mehrere Milliarden Euro in Container investiert

Der Direktinvestment-Anbieter P&R ist mittlerweile über 40 Jahre im Geschäft und galt bei Anlegern und Vertriebspartnern als solides Unternehmen. Nachdem die Magellan-Pleite überstanden ist und sich der Containermarkt von der zwischenzeitlichen Krise erholt hat, waren Container-Direktinvestments bei Investoren und Vertrieben wieder sehr beliebt. P&R wies am 7. März 2018 seine Vertriebspartner ohne nähere Begründung an, die laufenden Angebote aus dem Vertrieb zu nehmen und den Verkauf dieser Produkte sofort einzustellen. Der Vertrieb der Container an Privatanleger wurde von Finanzdienstleisten, Banken und Sparkassen vorgenommen. Auch auf der Internetseite der P&R Gruppe ist kein aktuelles Angebot mehr verfügbar. Die Geschäftsführung gab zunächst keine Auskunft über den Anlass des Vertriebsstopps. Nun ist klar: Die Pleite der P&R-Firmen ist verantwortlich für Zahlungsverzug und Einstellung des Vertriebs. 

Zehntausende Anleger befürchten Verluste

Das Amtsgericht München hat die vorläufige Insolvenzverwaltung über drei Firmen der P&R Gruppe angeordnet. Nach Angaben des „Manager Magazin“ handelt es sich um die P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH,  die P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH und die Firma P&R Container Leasings GmbH. Wie der Insolvenzverwalter bestätigt, haben die drei P&R – Gesellschaften über 51 000 Anleger betreut, die Geld in Container investiert hatten. P&R droht nun zum größten deutschen Anlageskandal zu werden.
Die vorläufigen Insolvenzverwalter haben ihre Arbeit aufgenommen. Nähere Informationen zum Insolvenzverfahren können der von den Insolvenzverwaltern eingerichteten Seite www.frachtcontainer-inso.de entnommen werden.

So funktioniert das Container-Direktinvestment

Die Anleger schließen einen Kauf- und Mietvertrag mit der Emittentin P&R Transport- Container GmbH ab. Dies ist eine Gesellschaft der P&R Gruppe. Das Alter, der Zustand und die Herkunft der Container wird den Anlegern im Verkaufsprospekt nicht mitgeteilt. Die Investoren kaufen die Container und erhalten die vereinbarte Miete. Nach 5 Jahren plant die Emittentin den Rückkauf der Container; in Aussicht gestellt wurden 65% des Kaufpreises. Für den Rückkauf der Container gibt es keine feste Vereinbarung, sondern lediglich eine Absichtserklärung. Die Firma P&R Equipment & Finance Corp. beschafft die Container für die  P&R Transport- Container GmbH, vermietet diese an Container-Leasinggesellschaften und nimmt sie wieder zurück. Die Anleger kennen weder den Rahmenvertrag zwischen den beiden Firmen, noch die Preise, zu denen die Container gehandelt und vermietet werden.

Versenktes Kapital statt einfache und sichere Direktanlage

Die Containerinvestments sind Produkte des sogenannten „grauen Kapitalmarktes“ und bergen für die Anleger hohe Risiken. „Stiftung Warentest“ und der Brancheninformationsdienst „Kapitalmarkt Intern“ hatten wiederholt vor den Direktinvestment-Angeboten von P&R gewarnt und festgestellt, dass die Risiken im Verhältnis zu den Renditechancen enorm hoch sind. Die Mietzahlungen hängen nicht nur von der Bonität des Anbieters, sondern entscheidend von der Marktentwicklung ab. Mitentscheidend für die Entwicklung des Containermarktes und der Stahlpreise wird die Entwicklung des Welthandels sein. Im Hinblick auf die Androhung von Strafzöllen durch Donald Trump und möglicher Gegenmaßnahmen der EU ist die künftige Entwicklung des Welthandels ungewiss. Wenn P&R die benötigten Erträge nicht erwirtschaftet, kann der Anleger die versprochene Miete nicht erhalten. Es ist auch möglich, dass P&R den Investoren gar kein Rückkaufsangebot unterbreitet. Anleger haben keinen Einfluss und sind abhängig von dem Anbieter. Dazu kommt das Wechselkursrisiko, da der USD im Container-Geschäft dominiert.

Eigentumsfrage - wem gehören die Container?

Bei der Insolvenz des Initiators Magellan war die Frage des Eigentums an den Containern ein streitiges Thema. Dies ist ein weiterer Risikofaktor bei den Container- Direktinvestments. Nach dem Kauf- und Mietvertrag erwerben die Anleger hier das Eigentum an den Containern und erhalten zur Legitimation ein Eigentumszertifikat. Der Mietvertrag ersetzt die Übergabe der Container an die Investoren und P&R erhält das Besitzrecht an den Containern. Der Kauf- und Mietvertrag kann mit Zustimmung von P&R an einen Dritten übertragen werden.
Weiter besteht das Risiko, dass eine Übertragung des Eigentums an den Containern infolge der Anwendbarkeit ausländischer Rechtsordnungen nicht möglich ist. Der Investor kann dann den Kauf- und Mietvertrag kündigen, muss aber zusehen, wie er das investierte Geld zurückbekommt. Im schlimmsten Fall sind die Anleger gezwungen, ihre Container in einem weit entfernten Hafen abzuholen.

P&R Insolvenz aktuell: Insolvenverfahren wurde am 24. Juli 2018 eröffnet

Das Amtsgericht München hat mit Beschluss vom 24. Juli 2018 die Insolvenzverfahren über die drei deutschen P&R Container- Verwaltungsgesellschaften eröffnet und die Rechtsanwälte Dr. Michael Jaffé und Dr. Philip Heinke als Insolvenzverwalter bestellt. Die Insolvenzverwalter haben die Anleger schriftlich kontaktiert und ihnen Unterlagen zur Forderungsanmeldung übersendet. 
Das Begleitschreiben der Forderungsanmeldung ist ganze vier Seiten lang und gespickt mit juristischen Fachbegriffen. Die Streitpunkte und die von den Insolvenzverwaltern gewählten Lösungsansätze sind für Investoren als juristische Laien nicht verständlich. Die geschädigten Anleger können die Beträge  im vorausgefüllten Anmeldeformular weder der Höhe noch dem Grunde nach ohne weiteres nachvollziehen. Die Forderungsanmeldung ist bei den P & R - Insolvenzverfahren sehr  kompliziert, da den Forderungen rechtlich komplexe Anspruchsgrundlagen zugrunde liegen. Es existieren für die meisten Investoren eine Reihe verschiedener Ansprüche, die diese anmelden können und sollten.
 

Die Zeit drängt: verkürzte Frist zur Forderungsanmeldung bis 29. August 2018 bei P & R Transportcontainer GmbH

Nach Eröffnung der Insolvenz wurde angekündigt, dass alle Investoren Anfang August Post vom Insolvenzverwalter erhalten werden, um ihre Forderungen innerhalb der kurzen Frist bis zum 14. September 2018 anmelden zu können. Obwohl die meisten Formulare zur Forderungsanmeldung bei den Anlegern erst Mitte August eingetroffen sind, wurde diese Frist nicht verlängert. Im Gegenteil – uns liegen  beispielsweise Formulare zur Forderungsanmeldung zur insolventen „P & R Transportcontainer GmbH“ vor:  Hier wurde  die Frist zur Anmeldung der Ansprüche bis  29. August 2018 gesetzt. Das Geschäftsmodell der P&R Transport-Container GmbH  war nach dem neuen Regulierungsstandard für Direktinvestments im Jahr 2017 entstanden. Gerade bei diesen Verträgen gibt es eine Reihe von Ansprüchen, die angemeldet werden können. Weiterhin sind viele Streitfragen offen, die für die P&R Geschädigten schwer zu durchschauen sind. Von den vorgezogenen Fristen sind auch andere P & R – Gesellschaften betroffen.

Die kurzen Fristen setzen viele Investoren unnötig unter Zeitdruck, zumal sich auch viele der P & R - Anleger gerade im Urlaub befinden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Forderungsanmeldungen von den Insolvenzverwaltern nicht an die Anwälte, sondern direkt an die Investoren verschickt werden. Dazu muss man wissen: es handelt sich bei der Frist zur Anmeldung nicht um eine Ausschlussfrist. Dieser Umstand ist aber den meisten Anlegern nicht bekannt.
 

Hat P & R  Container Direktinvest ein Schneeballsystem betrieben?

Indes hat sich der Verdacht, dass P & R Container Direktinvest ein Schneeballsystem betrieben hat, weiter erhärtet. Die Insolvenzverwalter sowie staatsanwaltliche Ermittlungen gehen davon aus, dass "neu eingeworbenen Gelder dazu genutzt wurden, laufende Verbindlichkeiten aus Mietzahlungen und Rückkäufen gegenüber Altanlegern zu begleichen". Nach Aussagen der Insolvenzverwalter werden die Erlöse durch die Veräußerung der vorhandenen Container-Restbestände viel zu gering sein, um sämtliche Forderungen der Investoren begleichen zu können. Von den 1,6 Millionen verkauften Containern ist eine Million an Containern nicht vorhanden. 
Darüber hinaus sind die Insolvenzverwalter der Ansicht, dass keiner der Anleger Eigentümer von den Containern geworden ist. Entsprechend werden daher die Anleger von P & R Container Direktinvest vermutlich von den Insolvenzverwaltern aufgefordert werden, auf Ihre insolvenzrechtlichen Aus- bzw. Absonderungsrechte zu verzichten. Aber: diese Argumentation dient unserer Ansicht nach allein dem Grund, die Arbeit der Insolvenzverwalter zu vereinfachen sowie die Insolvenzmasse groß zu halten, um lediglich eine quotale Befriedigung der Anleger durchzusetzen. Die bestehenden Eigentumsrechte der Anleger werden hierbei völlig übergangen.
Spätestens an diesem Punkt wird ersichtlich, dass die Einschaltung eines qualifizierten Rechtsanwalts auch im insolvenzrechtlichen Verfahren Sinn macht, da bereits jetzt die Eigentumseigenschaft der Anleger vom Insolvenzverwalter bestritten wird.

Die ersten beiden gerichtlichen Gläubigerversammlungen finden am 17. und 18. Oktober 2018 in der Münchner Olympiahalle statt. Auf der Gläubigerversammlung wird der Insolvenzverwalter über die wirtschaftliche Lage der insolventen Gesellschaften berichten und die Gläubiger darüber informieren, ob Aussichten bestehen, das Unternehmen ganz oder teilweise zu erhalten. Außerdem finden wichtige Abstimmungen, beispielsweise die Bestätigung der Insolvenzverwalter und die Bestätigung bzw. Ergänzung des Gläubigerausschusses statt. Jeder Gläubiger kann an dem Berichtstermin teilnehmen oder sich durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen.
Unseren Mandanten bieten wir hierbei eine Vertretung auf der Gläubigerversammlung in München und eine anschließende ausführliche Informierung und Berichterstattung an. Diese Vertretung ist für Sie von der Mandatserteilung im Insolvenzverfahren umfasst und mit keinen weiteren Kosten für Sie verbunden.

Weiterführende Infomationen, insbesondere zu den Fragen bezüglich des Eigentums an den Containern, lesen Sie in diesem Fachartikel der Kanzlei Aslanidis, Kress & Häcker-Hollmann. 

Antworten auf häufig gestellte Fragen:

  • Wer haftet für den Schaden? 

Es bestehen Ansprüche bei fehlerhafter Anlageberatern oder Vermittlung gegen die beteiligten Banken, Sparkassen oder Finanzdienstleister. Hier gibt es viele Ansatzpunkte. Dies ist eine vielversprechende Möglichkeit für alle Investoren, bei denen der Kontakt zu P&R durch einen Anlage- oder Bankberater zustande kam. Daneben prüfen wir Ansprüche gegen Prospektverantwortliche, Initiatoren, BAFIN, Wirtschaftsprüfer, Treuhänder und Geschäftsführer.

  • Wohin fließen aktuell die Mieten für die Container?

Die Mietverträge über die vorhandenen Container werden von der Schweizer P&R Gesellschaft mit den Leasinggesellschaften geschlossen und abgewickelt. Dorthin fließen auch die Mieteinnahmen. Die Schweizer Gesellschaft ist nicht insolvent.

  • Muss ich als Anleger die Mieten und die Zahlungen für Rückkäufe zurückerstatten?

Die Anordnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens führt nicht dazu, dass in den vergangenen Jahren erhaltene Zahlungen automatisch von den Anlegern zu erstatten wären. Erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens kann der Insolvenzverwalter im Interesse aller Gläubiger prüfen, ob insolvenzrechtliche Anfechtungsansprüche bestehen. Die Insolvenzordnung sieht unter bestimmten, eng festgelegten Voraussetzungen vor, dass Zahlungen im Einzelfall zurückerstatten sind. Die in der Presse diskutierte Rechtsprechung zur Anfechtung der Auszahlung von Scheingewinnen in sog. "Schnellballsystemen" als unentgeltliche Leistungen (sog "Schenkungsanfechtung" nach § 134 InsO) betrifft nach derzeitiger Einschätzung der vorläufigen Insolvenzverwalter anders gelagerte Sachverhalte: Dort wurden an die Anleger auf der Basis von manipulierten Bilanzen tatsächlich nicht erzielte Gewinne ausgezahlt. Hier wurden den Anlegern keine Gewinne ausgezahlt, sondern‎ Zahlungen auf Mieten bzw. Rückkäufe geleistet. Falls es zu Rückforderungen durch den Insolvenzverwalter kommen sollte, werden wir unsere Mandanten dagegen verteidigen.

  • Hafte ich als Anleger persönlich mit meinem Privatvermögen für die Container?

Das ist sehr unwahrscheinlich: Theoretisch ist es zwar denkbar, dass Standgebühren oder durch die Container verursachte Schäden, bspw. durch die Häfen auch bei den Anlegern geltend gemacht werden können. Dies ist in der Vergangenheit bei P&R jedoch noch nie geschehen. Solange die Container vermietet sind, sind sie auch versichert.

  • Ist es nötig, einen Anwalt einzuschalten?

Bei diesen Fällen ist Handeln auf verschiedenen Ebenen notwendig. Die Unterstützung einer spezialisierten Kanzlei ist zur Durchsetzung und Sicherung von Ansprüchen sinnvoll.

Kostenlose Ersteinschätzung für P&R-Anleger

Anlegern der insolventen Gesellschaften von P&R Container Direktinvestments helfen wir, ihre Vermögenswerte zu sichern und finanzielle Schäden zu minimieren. Nutzen Sie das folgende Formular für die kostenlose Prüfung Ihrer individuellen Ansprüche und innerhalb der Anlegergemeinschaft.

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